Wer schon einmal oder gar öfter mit Hilfe einer kalorienreduzierten Diät versucht hat seinen Körperfettanteil zu reduzieren, der weiß dass es in der Regel nicht damit getan ist, konstant ein gewisses Defizit beizubehalten. Erreicht man ein Plateau, also einen Stillstand bei dem über mehrere Wochen keiner der Indikatoren (wie z.B. die Waage, Maßband, Caliper) Veränderungen zeigen, so muss das kalorische Defizit erhöht werden um weitere Erfolge zu verzeichnen. Dies geschieht entweder über die Erhöhung der körperlichen Aktivität (mehr Energie wird verbraucht) oder über die Reduktion der zugeführten Energie (weniger Futter).
Dein Körper ist ein ganz hervorragender Überlebenskünstler, dessen primäres Ziel aus der Sicherung aller lebensnotwendiger Faktoren besteht. Um zu verdeutlichen, wie sich dein Körper in „Hungerzeiten“ verhält, teile ich seine Bedürfnisse einmal in Grund- und Luxusbedürfnisse auf. Funktionen wie der Herzschlag und die Hirnaktivitäten zur Steuerung aller unwillkürlichen Überlebensmechanismen wie z.B. der Atmung müssen um jeden Preis aufrecht erhalten werden und dafür wird eben Energie gebraucht. Dass du Muskulatur mühsam aufbauen und diese auch erhalten willst, ist ein absolutes Luxusbedürfnis! Ein überdurchschnittlich hoher Muskelanteil den es bedarf, um einen athletischen Look mit knackigem Po, kurvigen Beinen, runden Schultern zu bekommen verbraucht auch überdurchschnittlich viel Energie. Der Sexualtrieb und die Reproduktionsfähigkeit zählen ebenso zu den Luxusbedürfnissen. Sie sind zwar wichtig für das Bestehen der Menschheit, nicht aber für dein eigenes Überleben. Glücklich sein? Luxus! Auch die Produktion von den „Glückshormonen“, den Endorphinen, Serotonin, Dopamin und Co. verbraucht Energie!
Entscheidest du dich also für eine Diät im kalorischen Defizit, so gerät dein Körper nun in die Misere weniger Energie zur Verfügung zu haben als er für die Erhaltung aller Bedürfnisse und Funktionen benötigt. Er setzt automatisch Prioritäten und schaltet in den Energiesparmodus. Die essentiellen Grundbedürfnisse und Funktionen werden mit der gelieferten Energie zuerst gedeckt, die Luxusbedürfnisse danach, sofern noch Energie übrig bleibt.
In fortgeschrittenen Stadien von Diäten kann es also dazu kommen, dass der Körper weitere Sparmaßnahmen auf endokrinologischer Ebene trifft, die den Sexualtrieb, den weiblichen Zyklus, positive Emotionen und das allgemeine Wohlbefinden negativ beeinflussen. Dein Körper denkt sehr simpel: „Wer selbst nicht genug zu fressen hat, kann auch nicht für das Überleben von Nachkommen sorgen.“ Daraus resultiert nicht selten bei Frauen eine Amenorrhoe, bei Männern eine chronische „Unlust“.
Dein Stoffwechsel kann sich leider und zum Glück an neue Ernährungssituationen anpassen. Was für unsere Vorfahren in Kriegs- und Hungerzeiten ein großer Vorteil war, ist für uns (eine verwöhnte Generation die im Überfluss lebt) nur eine lästige Hürde bei der Fettreduktion. Das Problem: Hat sich unser Körper erst einmal an eine geringere Energiezufuhr gewöhnt und seinen Erhaltungsbedarf runter reguliert, so speichert er alles was er darüber hinaus „zu beißen“ bekommt für Notzeiten ein. Ergo, isst du mehr als deinen erniedrigten Erhaltungsbedarf, nimmst du wieder zu, und zwar schneller als zuvor. Bleibst du bei deinen Diätkalorien, so wirst du schnell wieder das nächste Plateau erreichen und gezwungen sein, deine Kalorien noch weiter zu reduzieren um weiter abzunehmen. Du befindest dich in einer Abwärtsspirale.
Die Lösung: Niemand möchte dauerhaft im Defizit bleiben und akribisch auf Kalorien achten. Es ist wichtig, die Reißleine zu ziehen und dem Teufelskreis zu entkommen. Eine schrittweise Erhöhung der Kalorien ist unumgänglich. Ja, du wirst erst einmal sehr wahrscheinlich zunehmen. Nein, die Adaption deines Stoffwechsels nach oben geht nicht von heute auf morgen. Je nach Diätvorgeschichte, Alter, allgemeiner Gesundheit, uvm. kann es einige Monate bis Jahre dauern bis du wieder bei einem „normalen“ Erhaltungsbedarf angekommen bist, ABER es lohnt sich!
Kalorienreduzierte Ernährungsformen können vielseitige negative Auswirkungen haben, vor allem wenn sie ohne Fachkenntnisse und planlos durchgeführt werden. Auch wenn wir mit jeder Reduktionsdiät im Grunde gegen den Überlebensmechanismus unseres Körpers ankämpfen müssen, so sollten wir dankbar dafür sein, wenn alles so funktioniert wie es die Natur vorgesehen hat.
Solltest du professionelle Unterstützung bei der Umstellung oder Planung deiner Ernährung wünschen, schick mir gerne eine Nachricht übers Kontaktformular.
Eure Kathi