Fitness Apps – Fluch oder Segen?

Wer sich einmal im entferntesten mit dem Thema Ernährung befasst hat wird um die sogenannten Fitness Apps zum tracken der Makronährstoffe nicht herumgekommen sein. Wird ein gewisses sportliches Ziel, wie z.B. Fettreduktion oder Muskelaufbau angestrebt, das einen Überblick über die Ernährung und die genaue Zusammensetzung der Makros erfordert, so sind die Apps von denen es bereits zahlreiche freie und kostenpflichtige Versionen auf dem Markt gibt eine äußerst praktische Hilfe. Die Handykamera agiert als Barcode-Scanner und so können alle verpackten Lebensmittel direkt von der App erfasst werden. Man muss lediglich selbst noch die Menge (Gramm oder Stückzahl) angeben und schon wird die gesamte Tagesbilanz von allen Mahlzeiten, sowie die konsumierten Kohlenhydrate, Fette und das Eiweiß erfasst und gespeichert. Man bekommt sogar Aufschluss über die Mikronährstoffe (mehr oder weniger genau).

Die heute verfügbaren Apps hätte ich mir in den Zeiten gewünscht, in denen ich tagtäglich meine Makros und Kalorien selbst ausrechnete und in meinen Kalender schrieb um einen Überblick über meine Diät zu bekommen, besser planen zu können und eventuelle Fehlerquellen zu entdecken.

Bei meinen Coaching Kundinnen bevorzuge ich die makrobasierte Ernährung, was bedeutet dass ich die Makronährstoffe individuell für sie ausrechne und sie mit einem Beispielernährungsplan ausstatte. Da meiner Meinung nach die beste und effektivste Diät (=Ernährungsweise) jene ist, die am längsten durchgehalten werden kann – die bei der man sich kein Hühnchen und Reis reinwürgen muss, da man weder Hühnchen noch trockenen Reis mag – überlasse ich die Auswahl der Nahrungsmittel meinen Mädels in der Regel selbst. Die Vorteile der Apps liegen hier ganz klar auf der Hand! Zu Beginn hilft das Tracken ein Gefühl für die Energie und Nährwertangaben der präferierten Lebensmittel zu bekommen, später dient sie zur besseren Planung der Mahlzeiten und zur „Entkomplizierung“ der Diät. Bei genauer Einhaltung der Makros und möglichst genauem Tracken kann ich als Coach sehen, welche Änderungen ggf. vorgenommen werden müssen um weitere Fortschritte zu erzielen.

Darüber hinaus ist eine sehr flexible Gestaltung der Diät möglich, da die Datenbank der Apps nahezu jedes im Supermarkt erhältliche Lebensmittel umfasst. Das Einspeichern der Nahrungsmittel erfordert anfangs etwas Übung, der routinierte Trackende braucht aber kaum 5min um seine Mahlzeiten zu speichern.

 

Klingt eigentlich alles super, oder? Natürlich gibt es aber auch eine Kehrseite der Medaille. Die Kontrolle des täglichen Essens kann unter Umständen in exzessives Verhalten umschlagen. Einmal an die genaue Kontrolle gewöhnt, kann sie zu einem erheblichen Stressfaktor werden. Auch ist es recht schwer sich von dem anerzogenen Zwang wieder zu lösen und nach Gefühl zu essen. Jedes Lebensmittel wird grammgenau abgewogen, auswärts essen wird zum Horror, weil man nicht genau weiß in wie viel Öl das Fleisch gebraten wurde oder was alles im Salatdressing steckt. Kaffeetrinken und Kuchen essen mit der Familie? Schwierig, das kann man schlecht tracken. Ebenso das selbstgekochte Mittagessen von Mama…

 

Wann ist es wirklich sinnvoll zu tracken?

 

  1. Du hast ein Ziel vor Augen, das du in einem gewissen Zeitraum erreichen möchtest. Ein angestrebter Wettkampf oder ganz allgemein eine gewünschte Veränderung der Körperkomposition können Gründe sein um den eigenen Erhaltungsbedarf zu ermitteln, sich einen Überblick über die Ernährung zu verschaffen und diese zu optimieren.

 

  1. Du hast keine Ahnung wie viel Protein du isst. Vorübergehendes Tracken deiner Lebensmittel hilft dir dabei, deinen Ist-Zustand zu ermitteln und deine Proteinzufuhr zu optimieren.

 

  1. „Heißhunger“ ist dein zweiter Vorname und du weißt überhaupt nicht, wie viel oder wenig du eigentlich isst. Hunger ist keineswegs ein Signal unseres Körpers das uns alarmiert wenn wir Energie in Form von Essen brauchen. Tracken kann bei häufig auftretendem, unerklärlichen Heißhunger Aufschluss über die Ursachen geben.

 

Wann solltest du auf das Tracken getrost verzichten?

 

  1. Du hast dich noch nie mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt und machst dich gerade mit den Basics vertraut. Damit du einen Vorteil aus dem Tracken deiner Makros ziehen kannst, solltest du bereits wissen was Kohlenhydrate, Protein und Fette sind und wofür dein Körper sie benötigt. Darüber hinaus schadet es keineswegs zu wissen wie verschiedene Lebensmittel einzuordnen sind. (Was sind Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettquellen.) Ohne Vorwissen über grundlegende Ernährungsregeln mit dem Tracken anzufangen gleicht dem Bestreben ein Gedicht zu schreiben obwohl du noch nicht lesen kannst.

 

  1. Du hast bereits einen extrem guten Überblick über deine Ernährung und die Zusammensetzung deiner Nahrungsquellen. Tracken gibt dir trotzdem ein Gefühl von „Sicherheit“. Vertraue deiner Erfahrung, deinen Fähigkeiten und deinem Bauchgefühl!

 

  1. Du hast kein spezifisches Ziel, dass du derzeit erreichen möchtest, außer fit und gesund zu sein. Ein Grundwissen über gesunde und ausgewogene Ernährung ist hilfreich und wünschenswert, jedoch musst du dich nicht von einer App abhängig machen um dich wohlzufühlen. Das widerspricht sich. 😉

 

Egal ob das Tracken für dich eine Hilfe oder ein nerviger Stressfaktor ist, jeder muss „Kosten“ und Nutzen für sich selbst überlegen und abwägen. Wenn du ein bestimmtes Ziel erreichen möchtest, so wird dies nicht innerhalb deiner Komfortzone passieren. Das „unbequeme“ Tracken gehört oft einfach dazu wie die Auseinandersetzung mit dem Thema Ernährung an sich. Wichtig ist, die Balance zu finden und auch nach Diäten, nach den Phasen in denen penibel getrackt werden muss das Handy beiseite legen zu können um Essen einfach mal zu genießen. 🙂

 

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