Zufriedenheit = Stillstand?

Kann man den eigenen Körper lieben und ihn trotzdem verändern wollen?

Das klingt zunächst paradox, aber das eine schließt das andere nicht aus.

Um dies zu lernen habe ich einige Jahre gebraucht. Jahre, in denen meine persönlichen Topform das ultimative Ziel darstellte. [Hier kommst du zu meinem Artikel über Wettkampfambitionen] Wurde sie erreicht, zumindest ansatzweise, so musste sie das nächste Mal übertroffen werden. Gesundheit war oft zweitrangig und ein knallhartes Sixpack, Streifen auf den Schultern und so viele sichtbare Details in der Muskulatur wie nur möglich hatten Priorität. Leben und leiden einer Wettkampfathletin. Diese Zeiten sind vorbei und ich trauere ihnen kein Stück nach. Sie haben mich geprägt, positiv wie auch negativ und ich habe sehr viel gelernt.

 

Es hat ziemlich lange gedauert meinen „Normalo“-Körper zu akzeptieren. Wenn ein überdurchschnittlich athletischer Körper mit einem unterdurchschnittlichen Körperfettanteil zur eigenen Norm wird, ist jedes Gramm zu viel der Feind. Viel zu lange befand ich mich im Kampf gegen meinen eigenen Körper. Training und Diäten bestimmten meinen Tagesablauf, Gedanken kreisten um das Spiegelbild. Ich war der Meinung mit mentaler Stärke und Disziplin gegen körperliche Gegebenheiten ankommen zu können und zu müssen.

Mit der Akzeptanz und dem Hinnehmen der veränderten Körperkomposition nach meiner Wettkampfkarriere folgten Berg- und Talfahrten was mein Selbstbild anging. Von „Ich gucke einfach nicht mehr in den Spiegel und esse worauf ich Lust habe und bis ich platze!“ bis hin zum grammgenauen Tracken der Makros um alles wieder „in den Griff“ zu bekommen. Die Kilos kamen, gingen, kamen wieder, gingen,….

 

Heute fühle ich mich sehr wohl in meinen „Normalo-Körper“. Ich habe zyklusbedingte Gewichtsschwankungen wie jede Frau auf dieser Erde. Ich kenne den Heißhunger vor der Periode genauso gut wie ihr, Ladies. Mein Bauch kann an manchen Tagen erschreckend schwanger aussehen und ja, auch von Dellen an Po und Oberschenkeln kann ich ein Lied singen. Kurzum, mein Wettkampf-Ich hätte die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Und dennoch: ich fühle mich wohl!

 

Ich möchte keine Berge an Muskulatur mehr aufbauen, nicht besonders abnehmen. Wohlfühlen ist mein Ziel! Wohlfühlen mit meinem aktuellen Training und meiner Ernährung. Ich habe kein Bedürfnis mehr zu essen bis es mir zu den Ohren rauskommt, weil ich mir schlichtweg nichts mehr verbiete.

 

Und wo bleibt jetzt die Veränderung?

 

Das Bikinibild oben ist aktuell. Ich, so wie mich unfassbar leckeres französisches Essen und eine Krafttrainingspause von zwei Wochen schufen. Auf der Waage steht eine 7 als erstes und machen wir uns nichts vor, mein Körperfett liegt nicht bei 12%. Ich bin zufrieden mit meinem Körper und habe mir trotzdem das Ziel gesetzt, bis zu meinem nächsten Urlaub Pizza, Eis und Co zu reduzieren um 2 oder 3 Kilo abzunehmen.

Ohne Stress, ohne Druck, nur für mich, denn meine Zufriedenheit ist der größte Fortschritt. 🙂

 

Hinterlasse einen Kommentar