Als meine Mutter mir vor einiger Zeit erzählte sie überlege das Fasten auszuprobieren, schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen und riet ihr davon ab. Nichts zu essen für mindestens 24 Stunden, das konnte ja nicht gut sein. Erstrecht nicht für jemanden der eh schon sehr schlank ist und definitiv nicht abnehmen sollte. Oder…?
Ok, zugegeben, ich habe mich bis vor kurzem nicht einmal mit dem Thema Fasten auseinandergesetzt. Mit dem Gedanken dass mich der katabole Teufel holen und ich mich ganz nebenbei zur hungrigen Furie verwandeln würde, schloss ich kategorisch aus für einen längeren Zeitraum komplett auf Nahrung zu verzichten. Bis sich vor kurzem Coach B. näher mit der Materie befasste und das Fasten ausprobierte. Die Erklärungen der Vorteile und Auswirkungen überlasse ich ihm. Ich werde an dieser Stelle berichten warum ich nun doch den Selbstversuch startete und wie es mir dabei erging.
Nach Coach B.s Video stellten einige meiner Kundinnen Fragen wie „Hab ich bisher etwas falsch gemacht?“, „Muss/darf ich nun auch Fasten?“, „Ist Fasten besser als meine bisherige Diät?“ Da ich ungerne über Dinge urteile die ich nicht selbst ausprobiert oder erlebt habe, beschloss ich es zu versuchen und nahm mir ursprünglich vor 24 Stunden auf Nahrung zu verzichten. Wasser, Tee, Kaffee und Brühe sollten mir helfen gegen das Hungergefühl anzukämpfen. Meine letzte Mahlzeit gab es am Mittwochabend um 20:00 Uhr. In der Vergangenheit hatte ich zeitweise durch intermittierendes fasten Pausen von 14-16 Stunden zwischen meiner letzten Mahlzeit am Abend und der ersten am nächsten Tag. Derzeit sieht meine Essensroutine allerdings anders aus und ich habe zumindest unter der Woche nicht nur recht feste Zeiten für Frühstück, Mittagessen, Snack und Abendessen, sondern esse ich auch täglich nahezu das gleiche (das ist so herrlich einfach).
Am Donnerstagmorgen knurrte mir pünktlich zur Frühstückszeit der Magen. Ich haaaassseee es Hunger zu haben, war aber sowieso bis mittags so beschäftigt, dass keine Essenspause möglich war. Der Hunger hielt sich recht penetrant mit wenigen Pausen und das trotz Tee, Wasser, Kaffee und Brühe. Zu dem Hunger kam noch eine gewisse Schusseligkeit hinzu. Das Loch im Magen schien meine Konzentrationsfähigkeit zeitweise zu beeinträchtigen, aber ich funktionierte trotzdem. Normalerweise kommt unter der Woche immer ein Mittagstief. Spätestens nach dem Mittagessen habe ich oft den Wunsch mich kurz hinzulegen und zu schlafen (was natürlich nicht geht), an jenem Donnerstag war ich jedoch konstant topfit und hellwach! Trotz wenig Schlaf blieb das Mittagstief aus. Abends stand Training auf dem Plan. Ich überlegte kurz vorher noch etwas zu essen, war dann aber doch neugierig und wollte herausfinden ob ich auch nach 23 Stunden ohne Nahrung noch Kraftreserven mobilisieren konnte. Kurzum, ich habe so schwer gehoben wie zuletzt 2016, war hochmotiviert und hatte so viel Kraft wie lange nicht mehr! Im Verlauf des Trainings fühlte es sich irgendwann an als hätte ich einen Hardcore-Booster genommen. Während der Sätze war ich unglaublich fokussiert, in den Satzpausen wurde mir schwindelig. Der Kraft tat dies keinen Abbruch!
Spätabends nach dem Training war ich weiterhin hellwach, hatte eher Probleme herunterzufahren und ins Bett zu gehen, schlief dafür aber nicht schlecht (nach 3 Stunden Schlaf dachte ich, es wäre bereits Zeit zum Aufstehen..). Am nächsten Morgen startete ich hellwach und fit in den Tag, der Hunger hielt sich weitgehend in Grenzen und ich hätte ohne Probleme noch länger ohne Nahrung durchhalten können. Nach fast 42 Stunden gab es die erste Mahlzeit für die ich viel länger brauchte als normal, da mein Magen bereits nach der halben Portion voll war. Nach der Mahlzeit fühlte ich mich recht schnell sehr schlapp und konnte nicht verhindern mittags kurz einzuschlafen.
Fazit:
Meine Bedenken im Vorfeld bezogen sich auf mögliche Schwäche, Leistungseinbußen im Alltag und beim Sport, Hungerattacken und vor allem auch darauf wieder in alte, gestörte Essverhaltensmuster zu fallen. Der Hunger war am ersten Tag ziemlich krass, allerdings bin ich ja auch von 0 auf 100, also von regelmäßigen Mahlzeiten in eine fast 42 stündige Fastenphase gegangen. Beim zweiten Mal fiel es mir schon deutlich leichter die 1,5 Tage ohne Nahrung durchzuhalten.
Die Sorge Leistungseinbußen zu verzeichnen war weitgehend unbegründet. Rein körperlich war ich um einiges fitter und wacher als in meinem Alltag mit regelmäßigen Mahlzeiten. Es ist faszinierend zu spüren wie viel Energie täglich für die Verdauung draufgeht und wie es sich anfühlt all diese Energie plötzlich zur Verfügung zu haben! Damit einher geht eine gewisse nahezu konstante Euphorie. Wahrscheinlich könnte ich einige Tage oder sogar Wochen von meinen körpereigenen Reserven (Glykogen- und Fettspeicher) zehren, ohne dass es gesundheitlich bedenklich wäre. Mein Magendarmtrakt hatte eine Erholungspause und auch das fühlte sich sehr gut an. Kein Bauchgrummeln, kein aufgeblähter Bauch, keine Bauchschmerzen! In den knapp 1,5 Tagen ohne Essen verlor ich über 2kg und 5cm an der Taille. Alles natürlich Wasser und Magen-, bzw. Darminhalt und somit schnell wieder da. Ich fühlte mich in der Zeit leichter und rundum wohl. Der ab und an auftretende Hunger den ich dafür aushalten muss ist eben der Preis den ich zahle.
Meine Sorge wieder in alte, unschöne Essverhaltensmuster zu fallen hat sich auch gelegt. Ich habe wieder gemerkt dass ich keine Angst vor dem Hungergefühl haben muss und eine strikte Fastenroutine wird es für mich definitiv nicht geben! Je nach Lust und Laune werde ich aber sicher ab und zu mal wieder ein oder zwei Fastentage einbauen. Nach dem Fasten von Mittwoch bis Freitag habe ich es erneut von Samstag bis Montag durchgezogen. (Ja, ich schreibe „durchgezogen“ denn es ist zugegebenermaßen auch ein kleines Erfolgsgefühl das geschafft zu haben!)
Fasten ist sicher nicht geeignet für Personen die sich akut in einer Essstörung befinden oder diesbezüglich gefährdet sind. Es ist auch kein Nonplusultra-goldener-Schlüssel zum schnellen Abnehmen oder der ultimative „neue“ Ernährungstrend, aber für mich persönlich hat es ein paar gesundheitliche Benefits die mein Wohlbefinden temporär steigern, von daher muss ich zugeben, bin ich sehr positiv überrascht und angefixt! 😉