Liebe Männer, kennt ihr das? Ihr macht einer Frau ein Kompliment und sie findet einen Weg euer Kompliment zu revidieren, es zu mindern und sich selbst schlechter dazustellen, ganz egal worum es geht?
Er: „Du hast so tolle Beine!“
Sie: „Quatsch, guck doch mal… [weist auf „Mängel“ hin]“
oder
Er: „Du hast ein wunderschönes Gesicht!“
Sie: „Hast du mal meine Nase/ meine zu schmalen Lippen/ meine häßlichen Augenbrauen/ [beliebiges Merkmal kann eingesetzt werden] gesehen?!“
oder sogar
Er: „Deine Kette ist wirklich schön!“
Sie: „Findest du? Die ist aber schon ganz alt…“
Das sind alles echte Beispiele die ich selbst gehört hab. 😀
Warum fällt es uns Frauen nur so schwer einfach Komplimente anzunehmen, uns zu bedanken und uns darüber zu freuen dass jemand etwas Nettes zu uns sagt?
Ich glaube dass das Selbstbild von vielen Frauen nicht mit dem objektiven Bild von ihren Mitmenschen übereinstimmt! Im Folgenden werde ich versuchen ein paar Ursachen dafür unter die Lupe zu nehmen.
Wir leben in einer Welt in der man sich zwangsläufig und häufig unbewusst vergleicht. Täglich werden wir mit vermeintlich perfekten Körpern und Gesichtern konfrontiert, sei es in der Werbung, oder in Posts (meist subtiler Werbung) auf Instagram von „Influencern“ die nach allen Regeln der Kunst mit bestem Licht, in perfekter vorteilhafter Pose aufgenommen und meist noch mit Photoshop verändert wurden. Die Haut ist ebenmäßig, Nasen sind klein und stupsig, Haare liegen immer perfekt, die Taillen sind so schmal, dass man fast drum fassen kann, dafür sind die Popos aber riesengroß und knackig. Das Streben der Perfektion ist unübersehbar und wird dennoch oft verleugnet. „Ich bin genau wie ihr, ein gaaanz normaler Mensch. Heute zeige ich mich deshalb ungeschminkt und mit einem Pickel.“ [Postet Bild mit Wimpernverlängerung, microgebladeten Augenbrauen und aufgespritzen Lippen.] Wenn ich wahllos durch Instagram scrolle, erschrecke ich mich immer wieder darüber wie oft ich ein bestimmtes Gesicht sehe. Nennen wir es mal „Einheitsfresse Kim K.“ (dieses Gesicht bei dem man sobald es sich bewegt Angst hat, dass etwas reißen oder platzen könnte), dann wisst ihr sicherlich was ich meine? Manchmal frage ich mich ob es mittlerweile bei den Beautydocs dieser Welt eine vorgefertigte Schablone gibt. „Guten Tag, ich hätte gerne einmal die Einheitsfresse Kim K., mit extra Highlighter und ohne Mimik bitte!“
Möglicherweise klingt das jetzt böse und reißerisch, aber heutzutage sind schon 11jährige Kiddies bei Instagram unterwegs und bekommen vermittelt, dass eine Frau exakt so aussehen müsste. Das macht mich verdammt wütend und traurig! Nicht einmal die Töchter dieser Kim K.s von Instagram werden als Heranwachsende oder Erwachsene aussehen wie ihre Mütter. Zumindest nicht ohne größere Mengen Baumaterial im Gesicht und dem Rest des Körpers. Allein über dieses Thema könnte ich wohl Seiten füllen, aber nun zurück zum Wesentlichen.
Wir sehen uns täglich im Spiegel, erkennen vermeintliche Makel, fokussieren und auf sie und stellen sie unnötig in den Vordergrund. Das Gesicht echter, natürlicher Frauen stimmt eben nicht mit der oben genannten Schablone überein und für viele ist das – unbewusst oder gar bewusst ein Problem! Genauso verhält es sich mit dem Körper! Sobald eine Frau die eingedrehte Taille – Bauch rein – Po raus – Pose auf den Zehenspitzen verlässt und eine physiologische, natürliche Körperhaltung einnimmt, ist die Taille automatisch breiter, die Beine wirken kürzer und der Po hängt. Bei Instagram-„Models“ genauso wie bei anderen Frauen!
Abgesehen von der äußeren Beeinflussung durch a-soziale Medien gibt es meiner Meinung nach noch einen deutlich schwerwiegenderen Faktor der zur Prägung des Selbstbildes einer Frau beiträgt: Das Hormonkarussel!
Der Einfachheit halber werde ich an dieser Stelle darauf verzichten in voller Länge und Breite den weiblichen Zyklus zu erklären, aber die relevanten Veränderungen werde ich aufgreifen, damit auch die männlichen Leser einen Einblick bekommen. 😉
Der Zyklus geht los mit dem ersten Tag unserer Periode. Mädels, ihr wisst was das bedeutet. Die Krämpfe und stechenden Bauchschmerzen sind nervig, wir fühlen uns wie ein Wasserbüffel, manchmal auch wie ein Luftballon. Der Bauch ist aufgebläht und man kann kaum etwas dagegen tun. Die Haut feiert eine Party (wir sind in dem Fall die genervten Nachbarn die ihre Ruhe wollen) und noch dazu fühlen wir uns ca. 5kg schwerer. Tatsächlich kann das Gewicht in der Zeit der Periode um ca. 3kg ansteigen. Kurzum: wir fühlen und unfassbar unattraktiv. Kein Wunder also dass wir Komplimente in dieser Zeit schlecht annehmen können.
Nach der Periode wird es besser. Die Bauchschmerzen sind weg, der Wasserhaushalt reguliert sich wieder, das Gewicht geht runter und wir fühlen uns körperlich wohler. Kein Wunder, denn es geht in Richtung Eisprung, der ungefähr in der Mitte des Zyklus stattfindet. In den Tagen um den Eisprung herum geht es uns körperlich und psychisch prima. Die ziehenden Bauchschmerzen zum Eisprung dauern nicht lange an. Wir fühlen uns wohler in unserer Haut. Das hat die Natur extra so eingerichtet um die Reproduktion der Menschheit sicherzustellen. Wir Weibchen fühlen und machen uns zur fruchtbarsten Zeit für die Männchen und auch für uns selbst besonders hübsch, wobei es keine Rolle spielt wie alt oder jung wir sind und ob ein Kinderwunsch besteht oder nicht. 😉
Nach den fruchtbaren Tagen im Zyklus geht es bald schon wieder auf die nächste Periode zu. Besonders in den Tagen vor „den Tagen“ können Frauen emotionaler sein als normalerweise. Besonders kurz vor der Periode haben Männer oft das Gefühl Topfschlagen im Mienenfeld zu spielen, auch wenn sie eigentlich nur ein Kompliment machen wollten. Die Wasserbüffelzeit geht wieder los und so schließt sich der Kreis.
Der weibliche Zyklus ist für mich durch die Arbeit mit meinen Bikiniangels Kundinnen immer wieder ein großes Thema. (Das Thema Heißhunger heb ich mir aber für ein anderes Mal auf! ;)) Immer wieder stelle ich fest, dass das Körpergefühl gerade von sportlichen Frauen unheimlich sensibilisiert ist. Sie haben einen besseren Bezug zum eigenen Körper, stellen Veränderungen schneller fest und nehmen dementsprechend schon kleinste Gewichtsschwankungen deutlicher und schlimmer wahr als sie eigentlich rein objektiv betrachtet sind. Diese Sensibilität ist Fluch und Segen zugleich!
Liebe Männer, wir freuen uns tierisch über ernstgemeinte, liebe Worte. Es ist nicht unsere Absicht eure Komplimente zu widerlegen, nur manchmal passen eure Worte eben nicht zu dem was wir selbst im Spiegel sehen.
Liebe Frauen, ich werde jetzt weder schreiben „Ihr seid alle wunderschön so wie ihr seid!“, noch werde ich mit klugen Weisheiten um mich werfen, die euer Selbstbild instant verbessern. (Ich würde es tun wenn es sowas gäbe!) Aber lasst euch gesagt sein, es kann sehr gut tun sich von der Schablone zu lösen und mal im Spiegel danach zu schauen was ihr wirklich schön findet. Ganz ehrlich, auf die blöden Pickel, den einen schiefen Zahn oder das leichte Schlupflid achtet kein Mensch! Ihr habt es schon oft gehört, aber es ist wirklich wahr: Wenn ihr euch wohl fühlt in eurem Körper, mit eurem Gesicht, wenn die „Makel“ in den Hintergrund rücken und ihr euch auf die schönen Merkmale fokussiert, wirkt sich das auf eure Ausstrahlung aus. Und das – jaja, ich weiß, klingt wie eine blöde Floskel, ist aber tatsächlich wahr – ist das einzige was zählt und einen Menschen wirklich schön machen kann!