Über Motivation und Balance…

Es waren einmal zwei Worte, die von Instagram „Sternchen“ in mindestens 8 von 10 Posts zwangsläufig erwähnt werden müssen, wenigstens in den Hashtags, um Authentizität zu vermitteln. Ich möchte dir jetzt weder davon erzählen wie ich meine ultimative, ungebrochene Motivation gefunden habe, noch wie auch du die perfekte innere Balance findest. Was für ein toller Aufhänger für einen Text, nicht wahr..?

Es ist die Zeit des Jahres in der Ruhe einkehren soll, alles wird entschleunigt. Die Zeit die man mit seinen Liebsten verbringt. Die Weihnachtsmärkte haben geöffnet, draußen ist es eisekalt und dunkel, drinnen gemütlich und warm und an jeder Ecke lauern Versuchungen. Lebkuchen, Glühwein, Bratwurst, Schokoweihnachtsmänner und andere Süßigkeiten, alles in herrlich glänzendem Rot oder Gold verpackt. Der Sommer ist gefühlt Lichtjahre entfernt. Bikini, Hotpants und kurze Kleider sind in die hintersten Ecken des Kleiderschrankes verbannt. Leggings, große, weite Schlabberpullis, Schals und Mützen sind Alltagskleidung. Eigentlich ist das doch perfekt, oder? Die winterliche Kleidung bietet direkt mehr Platz und Gelegenheit um das ein oder andere Schokoröllchen an Bauch und Hüfte zu kaschieren. Außerdem kann man die weihnachtliche Canergy (Candy-Energy) ja super ins Training investieren und ab dem 1.1. kann man ja eh wieder anfangen für den Sommer in Form zu kommen, oder…?

Der oben stehende Text beschreibt vielleicht Dich, oder zumindest einen Großteil deiner Mitmenschen.

Gibt es Menschen die permanent ein Ziel vor Augen haben? Jene dessen Motivation nicht am 1.1. aus ihrem Versteck gekrochen kommt und sich spätestens am 1.2. wieder im Keller versteckt? Es gibt sie tatsächlich! Menschen die das ganze Jahr über gewillt sind ihre Ziele zu verfolgen und alles daran setzen ihnen näher zu kommen. Motivation sollte kein Verfallsdatum haben!

…aber was ist das eigentlich, dieses „Motivation“ von dem immer alle reden?!

Jeder möchte einen tollen Körper, schlank, durchtrainiert und athletisch aussehen, natürlich mit möglichst geringem Körperfettanteil! Wir wollen uns dabei wohlfühlen und auf nichts verzichten müssen! Verzicht würde nämlich das Wohlbefinden einschränken. Wohlbefinden = Wohlfühlzone. Wohlfühlzone = kein Aufwand, Stress, keine Kompromisse, keine Einschränkungen. Und nun finde den Fehler!

Hier ist die unbequeme Wahrheit: In deiner Wohlfühlzone wirst du deine Ziele nicht erreichen! Ohne Einschränkungen, Verzicht und Extraaufwand wird sich dein Körperfettanteil nicht reduzieren und deine Muskeln nicht wachsen. Das interessante ist nun, dein momentanes Wohlfühlen ist vielleicht gar kein echtes Wohlfühlen. Klar, du kannst essen was du willst, du brauchst dieses anstrengende Training nicht so oft, hast Abends mehr Zeit für Netflix, aber fühlst du dich wirklich wohl dabei? Oder ist das ein Schein? Lass dir sagen, mit einem fitten, gesunden Körper wird Wohlbefinden neu definiert! Das Brechen der eigenen Grenzen fühlt sich verdammt gut an! „Aber Kathi, ich würde ja sooo gerne! Nur hab ich einfach keine Motivation! :(“

Jetzt kommt der nächste Clue: Motivation kannst du dir nicht kaufen! Keiner kann sie dir geben, schenken oder herstellen! Kein Coaching der Welt kann dich motivieren ohne dass du selbst was dafür tust, denn Motivation ist deine eigene Entscheidung! Du entscheidest dich dafür den Schritt aus der Wohlfühlzone herauszugehen und es anzupacken. Du entscheidest dich dafür extra Aufwand zu betreiben, dich vorzubereiten, dein Essen abzuwiegen und zu tracken.

„Aber jetzt in der Weihnachtszeit ist es für mich echt schwer auf Süßes zu verzichten!“ Aha. Für dich ist es also schwer? Ich betreue Frauen die auch in der Weihnachtszeit ihre Diät durchziehen weil sie das Ziel haben sich auf den Urlaubsbilder im nächsten Sommer wohlzufühlen. Die mögen Schokolade mindestens genauso gerne wie du. Ich weiß selbst wie es ist im Dezember auf Diät zu sein und ein Ziel zu verfolgen. Und du kannst dir sicher sein, ich liebe nicht nur Schokolade, sondern wirklich alles essbare das mit Weihnachten zu tun hat! Der Punkt ist, Du entscheidest ob, wie viel und was du naschst auf dem Weihnachtsmarkt. Es ist deine Verantwortung ja oder nein zu sagen wenn dir etwas angeboten wird. Es liegt in deiner Hand ob du bei der Weihnachtsfeier deiner Firma reinhaust, oder eventuell schon vorher isst um nicht hungrig den „Gefahren“ entgegenzutreten.

Und wo genau bleibt jetzt die Balance?

Balance ist etwas das jeder für sich persönlich definieren muss, und zwar nach den eigenen Zielen. Es kann bedeuten dass du vier Monate des Jahres knallhart und ausnahmslos eine Wettkampfdiät durchziehst und das restliche Jahr eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit mehr Kalorien anstrebst. Balance kann auch bedeuten dass du dich im Alltag gesund ernährst, bewusst isst und dir jeden Freitag Abends eine Pizza bestellst. Balance kann heißen, dass du dir jeden Tag als Dessert einen Kinderriegel nach deiner Gemüsepfanne einrechnest. Es gibt so viele Facetten und nicht DEN einen richtigen Weg.

„Wie machst du das eigentlich..?“

Ich habe in meinem letzten Blogpost erklärt weshalb ich nicht mehr anstrebe an Wettkämpfen teilzunehmen. Somit habe ich auch kein konkretes Ziel auf das ich aktuell hinarbeite. Nichts desto trotz sind meine Hauptmahlzeiten unter der Woche (Frühstück, Mittag, Abendessen) der Einfachheit halber immer gleich. Ich fühle mich mit geplanten Mahlzeiten über die ich mir keine Gedanken machen muss wohl. Zwischendurch esse ich verschiede Snacks wie Obst, Eiweißriegel oder – tatsächlich- auch mal Süßkram! Am Wochenende gibt es meist zwei feste Mahlzeiten und den Rest plane ich lockerer. Das ist meine aktuelle Balance, ohne dass ich auf ein bestimmtes Ziel hinarbeite.

Balance in der Weihnachtszeit kann bedeuten dass du die Vorweihnachtszeit diszipliniert durchziehst und an Heilig Abend nach Plan isst, abends aber ohne Reue mit deiner Familie schlemmen kannst. Aber auch hierbei gilt: Balance ist individuell und nach deinen Zielen zu definieren!

Wenn du motiviert bist den Schritt aus deiner Wohlfühlzone herauszugehen, aber nicht weißt wie du es anstellen sollst, schick mit gerne eine Nachricht über das Kontaktformular!

Genieß die Weihnachtszeit, aber lass nicht zu dass sich deine Motivation unterm Schlabberpulli versteckt! 😉

Wettkampfambitionen (Teil 2)

Den ersten Teil findest du hier: Wettkampfambitionen (Teil 1)

Der folgende Text schildert meine sehr persönlichen, subjektiven Erfahrungen und Gedanken.

Meine erste Wettkampfsaison war so schnell vorbei wie sie angefangen hatte. Ich hielt zwei Pokale in den Händen, sah mein Bild in der FLEX, war stolz auf meine Erfolge und eines stand fest: der Wettkampfsport war nach wie vor befremdlich, aber ich hatte Blut geleckt!

Von dort an reihte sich eine Wettkampfsaison an die nächste. Diätpausen wurden immer kürzer, Vorbereitungen dafür immer länger. Im Herbst 2011 stand ich bei meinem dritten Wettkampf überhaupt zum ersten Mal auf einer internationalen Bühne. Bei der Arnold Classic Europe in Madrid verpasste ich zum ersten und auch letzten Mal knapp das Finale. Es war dennoch eine wahnsinnig tolle Erfahrung. Die Reise, das Teamgefühl, die Location, überhaupt das ganze Drumherum kreierten unvergessliche Erinnerungen.

In den folgenden Jahren stand ich mehrfach in den USA, Kanada, Spanien und Finnland auf der Bühne. Mein Sport ermöglichte mir Reisen in tolle Länder mit denen ich meine ganz persönliche Erfolgsgeschichte verbinde und ich durfte interessante Menschen kennenlernen.

Bei Europameisterschaften und der Weltmeisterschaft zog ich bei jeder Teilnahme ins Finale ein, in den USA erreichte ich einmal sogar eine Top 3 Platzierung bei der Arnold Classic und in Finnland durfte ich nach erstmaliger Zusammenarbeit mit Coach Burak meinen ersten internationalen Sieg feiern. Sponsorenverträge wurden geschlossen und namenhafte Fitnesszeitschriften wie die Muscle&Fitness veröffentlichten mehrseitige Portraits von mir.

In diesen Momenten wusste ich, dass all die harte Arbeit, mein Verzicht, meine Selbstdisziplin sich ausgezahlt hatten. Ich war angekommen und ging voll und ganz in dem Sport auf. Mein jahrelanges Training trug Früchte und ich hatte einen Weg gefunden, meine sportlichen Ergebnisse zu präsentieren.

Das Mädchen das sich in der Vergangenheit oft einen Tarnumhang gewünscht hatte, stand nun öfter vor Kameras. Bilder für Werbeanzeigen und Videos wurden aufgenommen. Auf der Fibo kannten Menschen plötzlich meinen Namen, gratulierten mir zu Wettkampferfolgen und wollten sich mit mir fotografieren lassen. Menschen interessierten sich für mein Training und meine Ernährung, wollten wissen was mein „Geheimrezept“ ist, welche Übung für den Po DEN Unterschied macht.

All das hat mir sicherlich sehr geschmeichelt, aber eines konnte ich nicht verstehen: warum interessieren sich so viele Leute ausgerechnet für mich?

Wer selbst schon Wettkampfvorbereitungen ernsthaft durchgezogen hat weiß, dass alle happy-sunshine-gute-laune Bilder von Athleten auf Instagram definitiv nicht die Wahrheit wiederspiegeln. Du hast ein Ziel vor Augen und einen Tunnelblick. Du bist dein eigener Mittelpunkt und auf deinem Weg zum Ziel schaust du nicht nach rechts oder links – nicht zurück sondern nur gerade aus nach vorne. In der Vorbereitung habe ich mich grundsätzlich zurückgezogen. Familientreffen habe ich gemieden, denn dort wurde gegessen und mein Essen war strickt geplant und abgewogen. Anderen beim fröhlichen Schlemmen zuzusehen gehörte nicht zu meinen liebsten Freizeitbeschäftigungen. Der Tagesablauf wurde nach Training und Mahlzeiten geplant. Abends kochte ich vor, wog meine Mahlzeiten ab bevor ich sie fein säuberlich auf gleichgroße Plastikdosen aufteilte. Zu Zeiten vor Fitnessapps schrieb ich tagtäglich die Nährwerte aller meiner Lebensmittel in meinen Kalender und rechnete Makros und Kalorien aus. Der Sport stand an erster Stelle. Keine Trainingseinheit wurde verpasst, kein Krümel wurde zu viel gegessen.

Kinobesuche oder allgemein Abende mit Freunden waren auf Diät hinfällig, da ich nicht zu lange nach meiner letzten Mahlzeit wach bleiben wollte um nicht Gefahr zu laufen Hunger zu bekommen.

Überhaupt war mein Sozialleben zeitweise nicht mehr existent, soziale Interaktionen beschränkten sich auf Gespräche über den Sport und Ernährung. Meistens waren es Erklärungen und Rechtfertigungen. „Warum isst du so wenig?“, „Warum isst du nur aus Tupperdosen?“, „Schmeckt das überhaupt?!“, „Was würde passieren wenn du jetzt ein Stück Schokolade essen würdest?“, „Darfst du xyz essen, oder nicht?“, „Du bist aber dünn geworden!“ – Wenn ich jedesmal 5 Cent bekommen hätte für diese Bemerkungen oder Fragen, dann wäre ich jetzt reich! Eine Frage tauchte auch oft auf: „Warum machst du das eigentlich?“

Ja, warum mache ich das eigentlich? Das fragte ich mich auch häufiger, besonders aber in den schwierigen Endphasen von Diäten in denen das kalorische Defizit so groß war, dass der Körper begann auf Sparflamme umzustellen und Funktionen die nicht zum Überleben gebraucht werden herunterzufahren. Die Produktion von Endorphinen, Serotonin und Co hielt mein Körper in diesen Zeiten auch für unnötige Energieverschwendung. Seither weiß ich wie es sich anfühlen muss, von einem Dementoren „geküsst“ zu werden. (Für alle Muggel unter euch: Dementoren sind Wesen aus den Harry Potter Büchern, die einem alle Glücksgefühle und die Seele aussaugen, sodass nur noch eine zwar funktionsfähige, aber seelenlose Hülle des Menschen zurückbleibt.)

Warum nehme ich all die Einschränkungen, die Selbstkasteiung und den Zeitaufwand in Kauf? Wofür überhaupt? Dafür dass ich mich für fünf Minuten auf einer Bühne zeigen darf und ausschließlich nach meiner Optik bewertet werde? Dafür dass mir letztendlich nur der dritte Platz gegeben wird, weil fünf von neun Kampfrichter blonde Haare präferieren? Dafür dass ich von dort oben aus sehen kann wie die Kampfrichter ihre Köpfe zusammenstecken und sich beraten, obwohl das Kampfgericht doch neutral werten sollte? –Nein!

Wettkämpfe haben mir ein Ziel geboten auf das ich hinarbeiten konnte. Der Weg war jedoch das eigentliche Ziel. Ich bin oft an meine Grenzen gestoßen, habe sie überwunden und neu definiert. Ich bin stärker geworden und habe gelernt mit Niederlagen umzugehen.

Dem Sport und meiner Wettkampfzeit habe ich sehr viel zu verdanken! Die Zeit hat mich, meine Persönlichkeit sehr geprägt, ich habe das für mich selbst getan, Selbstbewusstsein und Stärke gewonnen. Ich weiß was ich will und was ich nicht (mehr) will. In all den Jahren habe ich mein Herzblut und immer 100% gegeben, konnte mich trotzdem nie komplett mit dem Sport identifizieren, denn auf der Bühne zählt nur eines: deine schöne Hülle! Wenn du dort oben unter den Scheinwerfern stehst weiß niemand dass du bereits als Kind angefangen hast ein Instrument zu spielen, dass du dich gerne bildest und durchaus zu mehr in der Lage bist als stupide Selfies auf Instagram zu posten. Deine Fähigkeiten, deine Seele, deine Interessen, deine Bildung und dein echtes Leben interessieren einfach niemanden wenn du dort oben stehst. Das einzige was zählt ist das Bild das du in den fünf Minuten auf der Bühne präsentierst und dass deine Ausstrahlung sagt „ich habe großen Spaß hier und eigentlich sehe ich eh immer so aus!“.

Bereue ich meine aktiven Wettkampfjahre? Auf keinen Fall! Ich habe alle Höhen und Tiefen bewusst und gerne erlebt! Die Jahre haben mir viel gegeben und sicher auch vieles genommen, aber rückgängig machen würde ich nichts!

Im Frühjahr 2017 startete ich den letzten Anlauf und bereitete mich auf einen Wettkampf in Südafrika vor. Die Vorbereitung lief super, es ging mir gut und meine Knieverletzung schien gut mitzuspielen. Leider wurden Teilnehmer aus europäischen Ländern kurzfristig vom Wettkampf ausgeschlossen sodass die Vorbereitung zu einer „normalen“ Diät wurde. Rückblickend sehe ich dieses Ereignis als Wink vom Schicksal und Zeichen, dass ich den Swarovski-besetzten Glitzerbikini an den Nagel hängen sollte. Mein Leben hat sich sehr zum positiven verändert seitdem ich meine Energie und Ehrgeiz außerhalb des Sportes einsetzen kann. Ich liebe es anderen Frauen dabei zu unterstützen ihre sportlichen Ziele zu erreichen und meine Erfahrungen zu teilen. Die Ziele können unterschiedlichster Natur sein: Reduktion des Körperfettanteils, Aufbau von Muskulatur oder stärker werden. Ich betreue viele Frauen und auch Mütter nach ihren Schwangerschaften denen ich helfe wieder zu ihrer alten Form zurückzukommen, bzw. diese noch zu toppen.

Das Kapitel der Wettkämpfe ist für mich abgeschlossen. (Das Training genieße ich auch nach mittlerweile 12 Jahren noch sehr!) Ich hatte eine tolle Zeit für die ich sehr dankbar bin, aber diese Zeit ist vorbei und das echte Leben bietet so viel mehr.

Wettkampfambitionen (Teil 1)

…wie alles began.

Wenn du auf diesen Artikel geklickt hast, dann könnten zwei Beweggründe dahinter stecken.

  1. Du hast selbst den Wunsch den Schritt auf die Bühne zu wagen, oder
  2. Dich interessiert meine persönliche Geschichte und zukünftige sportliche Planung?

Auf beide Annahmen werde ich im Folgenden eingehen. Um meine Gedanken für dich greifbar zu machen, möchte ich dir erzählen wie ich zum Wettkampfsport kam und wie ich diese Zeit erlebte. Im Jahr 2011 fand erstmalig ein Bikiniwettkampf als „Vorprogramm“ für den Profiwettkampf auf der FIBO statt. Ich saß im Publikum und beobachtete das Spektakel wobei ich oft den Tränen nahe war – vor Lachen!

Eine Mischung aus absoluter Fremdscham und Entertainment begleitete mich durch den Abend. Ähnliche Gefühle kannte ich bisher nur vom schauen diverser Shows auf RTL. Die Bikiniklasse wurde erst eine Saison zuvor im Jahr 2010 in Deutschland eingeführt und somit wussten weder die Kampfrichter noch die Teilnehmerinnen was eigentlich genau verlangt und bewertet werden sollte. Einheitlichkeit war ein Fremdwort beim „Posing“ und beim Styling. Lediglich bei dem wirklich bizarr wirkenden Popogewackel, Strippermoves und fürchterlichen Plateauschuhen, die ich zuvor nur aus Dokus über die Reeperbahn kannte waren sich die Mädels relativ einig. Kurzum: Mein erster Eindruck der Bikiniklasse war sehr befremdlich, um nicht zu sagen abstoßend!

Lediglich eines fiel mir recht positiv auf: die meisten Mädels sahen sehr schön trainiert aus, was „damals“ noch recht ungewöhnlich und selten war. (Für die jüngeren unter euch: Frauen im Kraftsport sind noch nicht allzu lange salonfähig!)

Ironischerweise wurde ich auf derselben Fibo von gleich mehreren Persönlichkeiten des DBFV und darüber hinaus von namenhaften Athleten angesprochen und gefragt ob ich nicht auch schon über eine Wettkampfteilnahme nachgedacht hätte. Es hieß ich hätte perfekte Voraussetzungen und würde sehr gut in die neue Bikiniklasse passen. Ich wollte davon gar nichts hören. Niiiiiemals(!) würde ich mich in einem viel zu kleinen Stück Stoff popowackelnd auf eine Bühne stellen und meinen fast nackten Körper vor viel zu vielen und noch dazu unbekannten Menschen präsentieren. Klar, der positive Zuspruch von so vielen Seiten schmeichelte mir, aber ich war die, die nie auffallen wollte. Das Mädchen das es hasst fotografiert zu werden. Die, die sich beim Sportunterricht nie vorne in die Schlange stellte um keine Übung vormachen zu müssen. Die, die sich am liebsten unauffällig kleidete (wenn es schon keine Tarnumhänge gibt..). Eines der wenigen Mädchen im Fitnessstudio zu sein bescherte schon für meinen Geschmack zu viel Aufmerksamkeit, aber das Training machte mir so viel Spaß, dass ich die Blicke zu ignorieren lernte.

Als ich mit 15 Jahren anfing im Fitnessstudio zu trainieren hatte ich Bilder von amerikanischen Fitnessmodels im Kopf. Diese hatten „perfekte“ Körper, tolle Schultern, muskulöse Arme und toll geformte Beine, Sixpacks, aber vor allem eines: Sie strahlten Stärke und Selbstbewusstsein aus. Ich, 15jährig, sehr lange 1,75m groß, sehr dürre 55kg leicht hatte schon immer eine sehr realistische Einschätzung von Dingen und glaubte niemals ansatzweise an den Look dieser Fitnessmädels heranzukommen. Aber hat es jemals geschadet Vorbilder zu haben? Nein! Und so trainierte ich, blieb am Ball. Fünf Jahre gingen ins Land, ich machte kleine Fortschritte, ging nach dem Abitur in die USA und trainierte dort so viel wie noch nie. Aufgrund der mangelnden Informationen zur Ernährung von Frauen mit sportlichen Zielen hielt ich mich an wertvolle Tipps aus der Flex. Wenn Ronnie Coleman mit kiloweise Kohlenhydraten diese Muskelberge aufgebaut hat, dann würde ich kleiner Hering doch wohl auch von Kartoffeln, Nudeln und Reis profitieren. Gesagt, getan! Eine Zeit lang bestanden meine Pre und Postworkout Mahlzeiten aus insgesamt 500g Vollkornnudeln (Rohgewicht!). Als ich aus den USA zurückkam brachte ich einige Kilo Muskeln mit, aber auch das ein oder andere Kilo Cheesecake Factory.

Zurück Zuhause packte mich der Ehrgeiz und ich wollte wissen was sich unter der „Wärmedämmung“ meines Körpers verbarg. Meine allererste Diät sollte über ca. sechs Wochen gehen. Ich startete mit 200g Kohlenhydraten (was für meine damaligen Verhältnisse eine immense Reduktion war), wenn ich mich recht entsinne ca. 130g Eiweiß und auf das Fett schaute ich zunächst gar nicht. Es war schon kompliziert genug auf Kohlenhydrate und Eiweiß zu achten und beide Werte tagtäglich handschriftlich in meinem Kalender festzuhalten und auszurechnen. (Myfitnesspal, FDDB und Co gab es damals noch lange nicht…)

Mein Ziel war es bis zur FIBO 2011 das Beste rauszuholen. In ca. 7 Wochen nahm ich 6kg ab und sah zum ersten Mal in meinem Leben trainierte Bauchmuskeln im Spiegel. Was für ein Erfolg!! Ich konnte meinen Körper durch Training und die richtige Ernährung gezielt positiv beeinflussen, konnte stärker werden, an den richtigen Stellen zunehmen und meinen Körper so formen wie ich das wollte. Und da war sie nun, die FIBO. Ich lief zum ersten Mal bauchfrei gekleidet rum, fühlte mich dabei deutlich unwohl und bekam dennoch äußerst positiven Zuspruch von so vielen Seiten. Athleten und Athletinnen die ich vorher nur aus der Flex und von Team-Andro kannte sahen mich und redeten mit mir. Es schmeichelte mir sehr dass ich angeblich eine perfekte Kandidatin für die neue Bikiniklasse sein sollte, aber erstens konnte ich mir nicht vorstellen dass ich wirklich gut genug dafür sein sollte mich auf einer Bühne vor so vielen Menschen zu präsentieren und zweitens wollte ich schon bei dem Gedanken daran schreiend im Kreis laufen.

Da ihr wahrscheinlich wisst dass ich ja doch irgendwie irgendwann auf die Bühne gegangen bin, kürze ich fix ab:

Nach der Fibo ließ mich der Wettkampfgedanke nicht los. Die neue Klasse bot Mädels wie mir die Möglichkeit die Ergebnisse ihrer harten Arbeit zu präsentieren ohne dabei übertrieben große Muskelberge vorweisen zu müssen. Rückblickend betrachtet hatte es mir großen Spaß gemacht einige Wochen lang auf ein Ziel hinzuarbeiten und wer sagte überhaupt dass ich dieses lächerliche Popogewackel mitmachen müsste? Der Reiz ins kalte Wasser zu springen wurde größer und ich beschloss sehr spontan an der nur eine Woche entfernten Hessenmeisterschaft im Frühjahr 2011 teilzunehmen. Ohne die Überredungskünste und große Hilfe von Regiane und Matze Botthoff wäre das nicht möglich gewesen!

Kurzum, eine Woche nach meiner Entscheidung stand ich in einem extrem kleinen blauen Glitzerbikini braun angemalt und mit ca. 3kg farbenfroher Spachtelmasse im Gesicht auf einer Bühne vor viel zu vielen Menschen. Die 11cm Plateauschuhe trugen nicht gerade zu gesteigertem Wohlbefinden bei. Auf übertriebenes Popogewackel hab ich verzichtet. Nicht nur weil ich es hochgradig albern fand, sondern auch weil das blanke Überleben und nicht auf die Fresse fallen schon zu viel Konzentration erforderte.

Wie auch immer, ich belegte den 2. Platz, qualifizierte mich bei meinem ersten Wettkampf für die Deutsche Meisterschaft und stand ehe ich mich versah schon wieder angemalt und eingeölt auf einer diesmal noch größeren Bühne vor noch mehr Menschen. Aus meiner anfänglichen Überwindung resultierte großer, persönlicher Erfolg. Ich hatte Spaß daran an meinem Körper zu arbeiten und die Arbeit zu präsentieren. Der Grundstein für meine sportliche Karriere war gelegt und die internationalen Bühnen rückten bald schon in greifbare Nähe.

Im 2. Teil erzähle ich mehr über meine persönlichen Erfahrungen während Wettkampfvorbereitungen, Opfer die ich bringen musste und wie es für mich in dem Sport weitergeht. 

Frustphasen

Wer kennt es nicht? Du hast ein Ziel vor Augen auf das du hinarbeitest, deine Motivation ist ungebrochen bei 100, nein 110%! Das Training läuft, die Ernährung stimmt auf den Punkt, du bist auf dem richtigen Weg, so kann es weitergehen…

…bis das Leben dazwischen kommt!

Phase 1: Stress bei der Arbeit oder in der Uni fordern mehr Aufmerksamkeit sodass keine Zeit bleibt für das Training. Privater Stress in der Beziehung oder der Family? Oder eine Verletzung? Schulter, Knie, Sprunggelenk… Da fällt das Training auch erst einmal aus oder ist zumindest eingeschränkt.

Da ist er, der FRUST!

Phase 2: Du lässt dich hängen, die Motivation ist weg. Wann du wieder richtig trainieren und auf dein Ziel hinarbeiten kannst ist ungewiss. Und wenn man nicht trainieren kann, dann hat es doch eh alles keinen Zweck, oder? Außerdem geht es einem ja auch grundsätzlich und erwiesenermaßen seelisch besser wenn man sich ab und zu mal was gönnt. Schoki oder einfach nur ein bisschen mehr Essen als sonst. Wenn es eh schon blöd läuft, kann dich ja wenigstens das Essen ein bisschen trösten und aufmuntern, nicht wahr?

Phase 3: Die Trainingsroutine liegt nach wie vor mehr oder weniger auf Eis. Ernährungsplan….ähhmmm….was ist das? Aus dem „mal was gönnen“ wird ein „Ach, jetzt ist es eh egal.“

Phase 4: Die Auswirkungen von „Ach, jetzt ist es eh egal“ zeigen sich nun auch im Spiegel, auf dem Maßband und auch auf der Waage. Rückschritte. Noch mehr Frust. Naaa toll!

Und nun? Alles hinwerfen? Oder doch irgendwie die Motivation suchen und hoffentlich wiederfinden? Aber wie?

Lass dir von einem Frust- und Rückschritterprobten Coach gesagt sein: Es ist verdammt hart diese Zeiten durchzustehen, aber nicht unmöglich! Ich hatte in den letzten 2,5 Jahren öfter mal mehrere Monate Beintrainingsverbot. Zum Teil vier Monate am Stück. Eine Verletzung die sich seit nunmehr über 3 Jahren mit Auf und Abs hinzieht und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Ich weiß was Frust bedeutet. Das Ziel so klar vor Augen zu haben und eine höhere Macht macht einem einen fetten Strich durch die Rechnung. Es nervt tierisch!

Andere schaffen es auch solche Phasen zu meistern und positiv nach vorne zu schauen. Warum klappt es bei dir nicht?

Es ist dein Kopf! Deine Einstellung! DU hast die Wahl den Kopf hängen zu lassen oder zu kämpfen und dein bestmöglichstes zu tun um trotz aller Steine im Weg dein Ziel zu verfolgen!

Meine Strategien für solche Frust Phasen:

  1. Mach dir klar, was auch immer dich gerade auf der Zielgeraden bremst, es hätte immer schlimmer kommen können, oder?
  2. Fokussier dich auf das was du tun kannst und nicht auf das was du nicht tun kannst. Eine meiner Kundinnen hatte kürzlich eine Verletzung am Sprunggelenk. Beintraining fiel somit vorerst aus, aber sie hat es als Motivation genommen um sich auf den Oberkörper zu konzentrieren und im Bankdrücken stark zu werden statt den Kopf in den Sand zu stecken. Ich bin verdammt stolz auf sie!
  3. Wenn das Training leidet kannst du immer noch die Ernährung verbessern! DAS ist die eigentliche Herausforderung. Lass dich nicht gehen, sondern setze dir neue, kleine Ziele im Alltag! Ich hatte nach meiner Knie OP dadurch meine beste „Off“- Form. 😀
  4. Sei dankbar für die kleinen Dinge! Mein Knie ist kaputt, aber hey, ich bin sonst gesund. Ich kann gehen, mein restlicher Körper ist „in Takt“, ich bin glücklich.

 

Lass dich nicht runterziehen! Rückschritt bedeutet nur dass du Anlauf nimmst!!

Hallo ihr Lieben,

Wenn du dich hierher verirrt hast, solltest du wissen dass auf meiner Seite Texte im Vordergrund stehen und Bilder eher nebensächlich sind. (Es sei denn es geht ums Essen! ;)) Gehörst du also zu den Menschen die eine Social Media konforme Aufmerksamkeitsspanne von ca. 5-7 Sekunden haben könnte es sein, dass diese Seite nichts für dich ist.

Solltest du allerdings schon bis zu dieser Stelle im Text gekommen sein wirst du dich wahrscheinlich fragen was dich hier erwartet! Fitness? Tipps wie man eine Diät überlebt? Transformationen von meinen Kundinnen? Gesundheitliche Themen? Muddi/Babystuff? Denkbar ist das alles und noch einiges mehr!

Fakt ist, ich bin nicht gut in diesem Instagram und schreibe umso lieber. Daher ist diese Plattform eine gute Ausweichoption für mich! Ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen wenn du hier zukünftig öfter vorbeischaust. 🙂