Mit Binge Eating zum Sixpack

Schon sehr lange schwebte mir der Gedanke im Kopf dieses empfindliche Thema ausführlicher auszuarbeiten und nun hatte ich Zeit und Muße dies zu tun. An Inspiration mangelte es nicht, denn die Konfrontation mit diesem Thema steht in gewisser Weise in meiner Jobbeschreibung. „Mit Binge Eating zum Sixpack“ – meine Namensgebung für diesen Blog ist natürlich unsinnig, aber oft gehören diese beiden unweigerlich zusammen, obwohl sie definitiv nicht zusammen passen.

Ich möchte diese Form des gestörten Essverhaltens näher erläutern, vor allem den Teufelskreis, der so viele Frauen davon abhält „normal“ zu essen.

Binge Eating ist ein Phänomen, dass ich sehr oft in Gesprächen mit meinen Coaching Klientinnen thematisieren und besprechen muss. Fast jede Frau, die mit einer längeren Diät-Vorgeschichte zu mir kommt, hat früher oder später Situationen erlebt, in denen sie schlichtweg die Kontrolle verliert. „Als ob jemand einen Schalter umlegt“, höre ich oft.

„Es ist, als würde man fremdgesteuert.“

„Binge Eating oder [die] Binge-Eating-Störung ist eine Essstörung, bei der es zu periodischen Heißhungeranfällen mit Verlust der bewussten Kontrolle über das Essverhalten kommt.“, sagt die Definition.

In der Vergangenheit wurden als Ursache fast ausschließlich psychische Faktoren genannt, wie das Bedürfnis nach dem Ausfüllen einer inneren Leere durch das übertriebene Füllen den Magens. Tatsächlich haben wir sogenannte Mechanorezeptoren in unserem Magen, die unserem Gehirn ständig Informationen über das Volumen, also seinen Füllstand übermitteln und ich möchte nicht leugnen, dass Binge Eating tatsächlich auch durch psychologische Ursachen ausgelöst werden kann. Binge Eating hat jedoch viele Gesichter. Im Folgenden werde ich mich auf die weit verbreitete Variante fokussieren, der Diäten zugrundeliegen.

„It’s you vs. you…“

Wenn du bis zu dieser Stelle gelesen hast, hast du entweder einfach nur Interesse an dem Thema (vielleicht ist jemand in deinem Umfeld betroffen?), oder du kennst es selbst, dieses Gefühl der absoluten Machtlosigkeit. Deine Diät lief doch eigentlich super. Du fühltest dich besser, deine Hosen saßen lockerer, die Zahl auf der Waage bestätigte: es läuft. Klar, man hat ab und an mal Hunger, aber das ist eben der Preis den man zahlt. Und irgendwann kam er, dieser Moment in dem bei dir scheinbar ein Schalter umgelegt wurde und du nicht aufhören konntest zu essen, obwohl du voll warst, obwohl du hättest satt sein müssen. Heute fällt dir auf, dass du schon lange nicht mehr weißt, wie sich satt sein anfühlt. Dein Magen ist in diesen Momenten ein schwarzes Loch. Geschmack, Qualität und Genuss des Essens sind dir dann nicht mehr wichtig. Nichts scheint so wichtig wie schnellstmöglich zu essen oder eher zu schlingen. Du kannst nicht aufhören. Du agierst als wärst du fremdgesteuert. Irgendwann ist es vorbei. Entweder hast du alles aufgegessen, ja regelrecht vernichtet, oder der Drang zu essen lässt nach und du erlangst ein Stück weit die Kontrolle zurück.

Die Fressattacken können extreme Ausmaße haben oder kleiner ausfallen. Wenn du dir vornimmst nur ein Stück Schokolade zu essen (extra getrackt, damit es in die Makros passt), aber du dann spontan die gesamte Tafel verschlingst und überlegst dann was du noch essen könntest, weißt du wovon ich rede.

Jetzt wirst du denken „Jeder hat doch schon mal eine ganze Tafel Schokolade gegessen. Das ist völlig normal!“ – Ja, stimmt! 100g Schokolade sind schnell inhaliert. Aber hier sind ein paar weitere Anzeichen dafür dass du betroffen sein könntest:

  • Beim Essen mit Familie oder Freunden drehen sich deine Gedanken konstant um das Essen. Du hast Angst vor den anderen zu viel zu essen, aber gleichzeitig das Gefühl alles alleine essen zu können.
  • Du isst heimlich. Niemand soll etwas merken.
  • Dein Schamgefühl ist schlimm. Du ekelst dich vor dir selbst.
  • Deine „Diätplanung“ bestimmt deinen Tagesrhythmus.
  • Deine Gedanken kreisen permanent ums Essen. („Wann kann ich das nächste Mal essen? Was werde ich essen? Wie viel werde ich essen? Wie oft werde ich heute noch essen? Was, wenn es nicht ausreicht? Was, wenn ich nicht satt werde? Hab ich alles getrackt? Was kann ich notfalls noch essen wenn meine Makros voll sind und ich noch Hunger habe? […]“
  • Du denkst über Kompensation nach oder versuchst sogar ungeplantes übermäßiges Essen zu kompensieren. (Ausdauertraining, Erbrechen, Medikamente,…)
  • Du hast das Gefühl dich für das übermäßige Essen bestrafen zu müssen und fühlst dich schuldig.
  • Du fühlst dich fremdgesteuert, außer Kontrolle und im Alltag beeinträchtigt.

Das sind also einige Symptome der Essstörung. Aber wie kann sie überhaupt entstehen? Darum geht es im 2. Teil. 🙂

2 Gedanken zu “Mit Binge Eating zum Sixpack

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