Sugar, Baby!

Gestern war ich mit meiner kleinen Tochter zum ersten Mal bei der Zahnärztin. (Bei mittlerweile schon acht Zähnen lohnt sich das schon richtig! :)) Der Besuch gab mir die Idee zu diesem Text.  

Eltern werden ist krass! Die überwältigendste Erfahrung meines Lebens. Mit der neuen Elternrolle kommen wahnsinnig viele Fragen und Entscheidungen, kurzum, ein riesen Haufen Verantwortung.  Entscheidungen die man für sich selbst trifft sind oft schon schwierig, aber wenn es um einen kleinen, noch sehr hilflosen Menschen geht den man selbst produziert hat, wiegt jede Entscheidung gefühlt 10.000 mal so viel.

In diesem Text soll das Thema Babyernährung, genauer der Zuckerkonsum grob angekratzt werden. Er stellt meine Meinung und Erfahrungen untermauert mit einsehbaren Fakten (z.B. Empfehlungen von der WHO) dar. 

Sucht man im Internet Informationen über die Ernährung von Babys, wird man regelrecht erschlagen. Wann fängt man an zuzufüttern? Brei oder Breifrei? Was ist BLW? Was tun wenn das Baby kein Gemüse mag? Welche Lebensmittel sollte man meiden? Was darf das Baby außer der Milch trinken und wann? Wird das Baby vegetarisch oder omnivor ernährt? Worauf muss man bei vegetarischer Ernährung achten? etc.

Immerhin sind sich alle Quellen bei zwei Fakten einig: 

1.     Muttermilch ist das Beste für das Kind. Die WHO empfiehlt die ersten sechs Monate ausschließlich zu stillen und die ersten zwei Lebensjahre Muttermilch zu geben. (Sollte das Stillen nicht klappen, gilt eine ähnliche Empfehlung für Pre-Nahrung.)

2.     Zucker ist schlecht. 

Ja, Zucker ist schlecht für die Zähne und Zucker macht im Übermaß dick und krank, das weiß doch jeder. Aber trotzdem bekommen viele Babys und Kleinkinder viel zu früh gut gemeinte Süßigkeiten und andere Süßspeisen in die Hand gedrückt und ich vermute daher: hier mangelt es an Aufklärung!„Aber Muttermilch ist doch auch süß…“

Im Grunde werden Babys durch den hohen Laktosegehalt der Milch von Anfang an darauf gepolt dass Süßes essbar und ungiftig ist. Darum sind sie besonders empfänglich für süße Speisen, können aber natürlich noch nicht zwischen der süßen Banane und den noch süßeren „echten“ Süßigkeiten unterscheiden oder gar entscheiden.

Warum Zucker für kleine Menschlein wirklich schlecht ist…

Babys werden mit einem schwachen, unausgereiften Immunsystem geboren. Ihren Immunschutz erhalten sie über die Muttermilch, in der Immunglobuline enthalten sind welche bei vollgestillten Babys den sogenannten „Nestschutz“ bilden. Würden Babys mit voll funktionsfähigem, erwachsenen Immunsystem zur Welt kommen so würde jeder Kontakt mit neuen Umwelteinflüssen, z.B. alltägliche Mikroorganismen aber auch Krankheitserregern eine Immunantwort, also Entzündungsreaktionen im Körper hervorrufen, was für so kleine Menschlein potentiell lebensbedrohlich wäre. 

Das Immunsystem baut sich in den ersten Lebensmonaten und –jahren langsam auf und wird in der Regel durch den Impfschutz ergänzt.

Eines der wichtigsten Bestandteile und gleichzeitig das größte Organ unseres Immunsystems ist der Darm (GALT – „gut associated lymphatic tissue“). Hier findet nicht nur die Verdauung statt, sondern er enthält auch rund 70% unserer Abwehrzellen, die Immunreaktionen ermöglichen, um uns vor Krankheitserregern zu schützen. 

Der erwachsene Darm ist dicht besiedelt mit einer Menge Mikroorganismen (99% davon Bakterien, Rest: Hefepilze und Viren), auch umgangssprachlich bekannt als „Darmflora“. Darmbakterien sind essentiell wichtig für Verdauungsprozesse. Die Besiedlung der Darmflora ist extrem divers und so individuell wie ein Fingerabdruck. Jeder Bakterienstamm hat eine eigene Aufgabe, z.B. die Zerlegung von Proteinen, ein anderer zerlegt Schleimstoffe, wieder ein anderer Kohlenhydrate, usw. Unsere Ernährung beeinflusst diesen „Fingerabdruck“, also die Besiedlung unseres Darms maßgeblich. Wir haben es selbst in der Hand, eine gute, gesunde Darmflora aufrecht zu erhalten, oder eben nicht. 

Eine fleischreiche Ernährung begünstigt zum Beispiel einen bestimmten Bakterienstamm der Eiweiß und auch Kohlenhydrate durch Fermentation außerordentlich gut verwerten kann und die Nahrung bis auf die letzte Kalorie ausquetscht. (Dieser Bakterienstamm wird daher auch mit Übergewicht in Verbindung gebracht.) Eine vegetarische Ernährung fördert einen anderen Bakterienstamm, der Ballaststoffe besser verarbeitet. 

Bevor ich mich aber in der Thematik der minikleinen Darmbewohner verliere, zurück zur ursprünglichen Frage:Warum ist Zucker für Babys und Kleinkinder denn nun besonders schädlich?

Der Darm eines Babys ist vor der Geburt ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Erst durch die Geburt und schließlich durch die Muttermilch erfolgt die Darmbesiedlung des kleinen Menschleins. Die Milch sorgt für eine gute Grundlage auf der die Darmflora aufbauen kann und somit auch das Immunsystem. 

Man kann festhalten: eine gute, gesunde Ernährung begünstigt eine gute, diverse Darmflora und diese fördert ein starkes, gesundes Immunsystem. 

Leider beheimatet unser Darm nicht ausschließlich gesunde Super-Bakterien, die das Immunsystem unterstützen und Krankheitserreger abwehren, sondern auch schlechte Bakterien, die den Krankheitserregern in die Karten spielen. Diese schlechten Bakterien werden ernährt durch Zucker! Bei Babys und Kleinkindern sind Darmflora und Immunsystem noch so fragil und empfindlich dass Zucker einen viel größeren Schaden anrichtet als bei uns Erwachsenen! Kommt es durch Zuckerkonsum in der kindlichen Darmflora zu einem Ungleichgewicht, also zu einer Fehlbesiedlung mit schlechten Bakterien, hat das Baby/Kind ein deutlich erhöhtes Risiko Allergien zu entwickeln. Es ist außerdem viel empfänglicher für Erkrankungen aller Art und „Volkskrankheiten“ wie Diabetes und Übergewicht. (Dass allein schon kindliches Übergewicht einen Rattenschwanz an gesundheitlichen Problemen mit sich bringt, werde ich hier nicht weiter ausführen, da es schlicht den Rahmen sprengen würde.) 

Die American Heart Association empfiehlt, dass Kinder unter zwei Jahren keinen Zuckerzusatz in Lebensmitteln und Getränken bekommen sollten, Kinder ab zwei Jahren ein Maximum von 25g pro Tag, wobei hier alle Arten von Zucker, also auch Fruchtzucker, Honig und in verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken enthaltener Zucker mit einberechnet wird. 

Wahrscheinlich hat niemand der einem Baby oder Kleinkind Süßigkeiten zusteckt eine böse Intention (es sei denn man erpresst das Kind damit zum „ruhig sein“), sondern einfach nicht die Hintergrundinfos um abschätzen zu können wie sehr man dem Kind mit falscher Ernährung dauerhaft schaden kann. 

Ganz schön erschreckend finde ich beim Gang durch die Babynahrungsabteilung, dass sogar Snacks die für Babys und Kleinkinder deklariert sind oftmals voller Zucker stecken. Ein Blick auf die Nährwerttabelle gibt zum Glück Aufschluss über die Zusammensetzung. 

 

Fest steht: Babys und Kleinkinder vermissen den Geschmack von Süßigkeiten, Kuchen, Gebäck, anderen Weißmehlprodukten, undsoweiterundsofort NICHT, wenn sie ihn nicht kennen! Das tolle ist doch, wir als Eltern haben es weitgehend in der Hand den kleinen Mäusen einen guten und gesunden Start ins Leben zu ermöglichen Krankheiten, Allergien und Übergewicht vorzubeugen. Die Ernährung spielt dabei eine fundamentale Rolle!

 

 

Krafttraining in der Schwangerschaft (Teil 1)

In der letzten Zeit haben mich ein paar Nachrichten mit Fragen zum Training in der Schwangerschaft erreicht. Die Standardbelehrung im Gespräch mit Ärztin/Arzt und Hebamme („Nicht mehr als 5kg heben, ausnahmsweise auch mal bis zu 10kg!“) führt oft zur Verunsicherung, auch bei sportlich aktiven Frauen. Ich möchte daher an dieser Stelle ab und an über meine eigenen Erfahrungen, Empfehlungen, Do’s & Don’ts und auch über den Sinn des Krafttrainings in der Schwangerschaft berichten.
Vorab sei gesagt, dass ich keine Ärztin oder Hebamme bin und jeder natürlich für sein eigenes Handeln verantwortlich ist. 😉

Für wen ist Krafttraining in der Schwangerschaft geeignet?

Wenn du schon vor der Schwangerschaft regelmäßig trainiert hast, die Ausführungen deiner Übungen nicht nur subjektiv ganz ok, sondern objektiv sehr gut sind und du über ein gutes Körpergefühl verfügst, solltest du keine Probleme haben auch in der Schwangerschaft das Krafttraining fortzuführen.

Wenn du bisher ab und zu auf dem Laufband oder Crosstrainer standest (oder gar keinen Sport getrieben hast) und dir jetzt in der Schwangerschaft überlegst, dass das Training mit Gewichten ja eigentlich doch nicht so schlecht wäre, rate ich dir dringend davon ab auf eigene Faust mit dem Krafttraining anzufangen. (Hier ist es ratsam eine/n professionellen Pränataltrainer/in zu engagieren!)

Grundvoraussetzung für Krafttraining in der Schwangerschaft sind ein normaler Verlauf, bzw. keine Risikoschwangerschaft, Beschwerdefreiheit, das GO vom Arzt oder von der Hebamme, gute Kontrolle über die Beckenbodenmuskulatur und ein gesunder Menschenverstand! (Wenn Maximalkrafttraining früher dein Favorit war, solltestdu dir überlegen ob du aktuell für dich und dein Ungeborenes Kind tatsächlicheinen Nutzen darin siehst. Kleiner Hinweis: Just don’t do it!)

Auf Do’s & Don’ts werde ich in einem weiteren Artikel genauer eingehen.

Körperliche Veränderungen (Achtung: subjektive Schilderung. ;))

Wenn du schon einmal selbst in „dieser Situation“ warst oder du eine Schwangerschaft deiner Partnerin miterlebt hast, wirst du wissen dass sich körperlich so einiges verändert! (Da es diesen Blog sprengen würde wenn ich die psychischen Faktoren mit erwähnen würde, möchte ich mich rein auf die physischen beziehen.)

    In den ersten Wochen wirst du rein optisch wahrscheinlich rein gar nichts bemerkt haben. Am Gewicht tut sich erst einmal nichts. Was einen allerdings ziemlich umhaut, und das im wahrsten Sinne des Wortes, ist die elendige Müdigkeit. Ich hätte locker 24/7 schlafen, oder zumindest inaktiv auf dem Sofa existieren können. Alles, ja wirklich alles war anstrengend. Ich hatte das Gefühl, das jemand ab Woche 5 oder 6 meinen Stecker gezogen hat und ganz plötzlich einfach keine Energie mehr da war. Ich hab in dieser Zeit oft gegen meine eigenen Prinzipien verstoßen und bin sogar Rolltreppen und Aufzug gefahren statt Treppen zu gehen. An Sport war nach den gefühlt ewig langen Arbeitstagen einfach nicht zu denken. In der Mittagspause war ein 15 Min Powernap oft unumgänglich. Jedes Hinsetzen oder gar hinlegen war gefährlich – akute Einschlafgefahr. Nachts hingegen konnte ich oft extrem schlecht schlafen, was nicht gerade zur Besserung beigetragen hat… Die Umstellung des Körpers von Ponyhof-Lifestyle auf Kinderproduktionsstätte ist zu Beginn hardcore!
    Die Übelkeit. Mein ständiger Begleiter von Woche 7 bis zum Ende der 11. Woche. Nicht jede Frau leidet in der Schwangerschaft an Übelkeit, manche übergeben sich täglich, einige ganz arme Mädels erleben Hyperemesis gravidarum, die auch bis weit über den 6. Monat hinausgehen kann. Ich habe mich kein einziges Mal übergeben müssen, aber derjenige der das ganze irgendwann mal als „Morgendliche Übelkeit“ bezeichnet hat war ein absoluter Optimist (wahrscheinlich ein Mann…). Meine Übelkeit fing morgens nach dem Aufstehen an und zog sich über den gesamten Tag. Essen vorbereiten war undenkbar, da plötzlich auftretende Abneigungen mir oft einen Strich durch die Rechnung machten. Kohlenhydrate, vor allem in Form von Käsebrötchen und Laugenstangen waren meine besten Freunde. In der Zeit verlor ich sogar noch Gewicht, da ich nicht so viel runterbekommen hab.
    Alles wird weicher. Durch den Trainingsausfall, die hormonellen Umstellungsprozesse und natürlich die gezwungenermaßen bescheidene Ernährung mit viel zu wenig Eiweiß fühlte sich schnell alles ziemlich soft an. Bye bye, fester Po, hallo Dellen! Wenn ich dann mal doch zum Training kam (so ca. alle 300 Lichtjahre), merkte ich wie schwach ich geworden war. Muskulatur wurde schnell abgebaut, Körperfett kam dazu. Alles egal, ich produziere einen Menschen und dabei spielt die Optik ja doch eher eine untergeordnete Rolle. 😉
    Alles wird locker. Während der Schwangerschaft produzieren die Eierstöcke und auch die Plazenta das Hormon Relaxin. Dieses dient unter anderem zur Entspannung der Bänder, vor allem natürlich im Bereich des Beckens durch das ja zum Schluss einmal ein ganzes Kind passen soll. Nun ist es aber so, dass das Relaxin nicht ausschließlich lokal im Bereich des Beckens/der Symphyse wirkt, sondern auch andere Strukturen betroffen sind. Darüber hinaus verändert sich durch den wachsenden Bauch, das Relaxin und die zunehmende sogenannte Rectusdiastase die ganze Statik einer Schwangeren (Extrathema, folgt bald!), was zu Rückenschmerzen und Verspannungen führen kann.

In folgenden Blogposts möchte ich näher auf die einzelnen Veränderungen eingehen, vor allem aber den Bogen zum Krafttraining schlagen und erklären welche Übungen besonders sinnvoll sind, bzw. welche definitiv wegfallen sollten. 🙂