Mit Binge Eating zum Sixpack – Teil 2

Hier kommst du zum ersten Teil. 🙂

Binge Eating ist in den meisten Fällen ein hausgemachtes Problem. Der Mensch kommt in der Regel mit einem gesunden, hormongesteuerten Essverhalten auf die Welt. Als Kinder haben wir gegessen als wir hungrig waren, nicht gegessen wenn wir eben nicht hungrig waren. Wir haben Essen auf dem Teller liegen lassen und genascht ohne darüber nachzudenken. (Ich hoffe übrigens sehr, dass heute kein Kind mehr den Teller leer essen muss, „damit die Sonne scheint“…) Der Stoffwechsel war im Turbomodus, denn Wachstumsschübe brauchen Energie! Mit der Pubertät kam dann mehr oder weniger plötzlich ein gewisses Bewusstsein für den eigenen Körper, das eigene Erscheinungsbild und vor allem ein Bewusstsein für das Erscheinungsbild von anderen Mädels, Werbefiguren, Stars,… Figuren mit denen man sich wunderbar vergleichen und an denen man seine eigenen optischen „Defizite“ feststellen kann.

„Ich hab immer normal gegessen bis….“

Und hier beginnt sie oft, die erste Diät. Der Grundstein für die Binge Eating Problematik wird gelegt. Diätmythen aus Erzählungen, Zeitschriften oder Instagram verbreiten sich schnell. Man wird sehr experimentierfreudig und ist auf der Suche nach dem „Quick-Fix“ – der schnellsten Lösung um Gewicht zu verlieren. Du stellst fest dass du Einfluss auf deinen Körper hast. Wie aufregend!Fundiertes Wissen ist zu diesem Zeitpunkt noch so weit entfernt wie der Mond.

Alternative Geschichte: du hast eine Wettkampfdiät gemacht. Vielleicht auch mehrere. Eine strikte Kontrolle deiner Ernährung ist Basis für deinen Erfolg. „Am Ende zeigt sich, wer am meisten gelitten hat“, heißt es immer. Hunger wird in Kauf genommen, gar zelebriert. Erfolge werden schnell sichtbar, Zufriedenheit bleibt trotzdem ein Fremdwort.

Egal ob du die Diät „nur für dich“ machst, oder du auf der Bühne standest, irgendwann ist es soweit. Du hast schon so gut durchgehalten, dich exakt an deinen Plan gehalten und eine kleine Belohnung schadet ja nicht (erstrecht nicht nach einem Wettkampf, wo das große Fressen danach von den Athleten und Athletinnen freudig und stolz gefeiert wird)… nur ein Stück Schokolade wird doch nichts ausmachen… Das erste Stück schmeckt göttlich nach dem ewigen Verzicht der Diät. Leider wird aus der Geschmacksexplosion des ersten Stückes die ganze Tafel und aus der Tafel ein Schuldgefühl. Dazwischen hat irgendjemand einen Schalter umgelegt der dich plötzlich wie fremdgesteuert alles essbare in deiner unmittelbaren Umgebung vernichten ließ.

„Irgendjemand“ stimmt nicht ganz. Es ist dein Stammhirn, der älteste Teil deines Gehirns. Hier werden unter anderem Triebe und Überlebensmechanismen reguliert.

Survival of the fattest?!

Eine Fressattacke in oder nach einer Diät ist nichts anderes als eine Überlebensstrategie deines Gehirns. Unser Körper möchte möglichst ökonomisch arbeiten, möglichst wenig Energiereserven anzapfen und hergeben müssen. Die Reserven sichern unser Überleben. Der Körper hält an ihnen fest, weshalb es auch recht schwierig ist „einfach so“ Körperfett zu verlieren, im Gegensatz zu mühsam aufgebauter Muskelmasse, die sehr fix verschwindet wenn man sie verletzungsbedingt nicht nutzen kann oder einfach nicht mehr trainiert – „Use it or lose it!“

Eine überdurchschnittlich große Muskelmasse ist für den Körper lediglich ein überflüssiger Ballast, der mit Energie versorgt werden muss. Mehr Muskeln = mehr Energieverbrauch = unökonomisch. Eine ganz einfache Rechnung. Auf der anderen Seite: Körperfett = wertvolle Energiereserve = praktisch und ökonomisch!

„Triebgesteuertes Luxusproblem“

Früher, als der Mensch noch nicht 24/7 Zugang zu hochkalorischen Nahrungsmitteln hatte, gab es oft Hungerperioden in denen es einfach nichts gab. Nicht nur stundenlang, sondern auch mal tagelang! Was heute undenkbar ist, war damals normal – und, nebenbei bemerkt, Übergewicht gab es damals noch nicht. Das ist aber ein anderes Thema.

Ohne den triebhaften Impuls unseres Stammhirns alle verfügbare Nahrung reinzuschaufeln wäre die Menschheit vielleicht ausgestorben. Damals mussten Reserven angelegt werden wann immer es möglich war. Von ihnen musste unter Umständen lange gezehrt werden!

Binge Eating hat also einen Sinn! In gewisser Weise… Für uns, die den absoluten Luxus genießen nicht nur jeden Tag Essen im Überfluss zur Verfügung zu haben, sondern auch darüber entscheiden zu können eine Diät zu machen ist dieser Trieb lästig. Er kann die Gewichtsreduktion behindern und darüber hinaus sehr auf die Psyche schlagen.

Sind wir unseren Ur-Trieben also komplett ausgeliefert? Ein klares Nein! Wie du Binge Eating überwinden kannst, erfährst du im 3. Teil.

Ein Gedanke zu “Mit Binge Eating zum Sixpack – Teil 2

  1. Ich kann es kaum Erwarten Teil 3 zu lesen da ich mich auch gerade im Binge Eating befinde und es nicht schaffe herauszukommen.

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